::: Alle in den K-Block?? Nein, leider nicht alle! – Kommunique aus dem UU#135 :::

Das FI99 zu der Entscheidung in der Nordkurve zu bleiben:

Am vergangenen Donnerstag fand aus der Sicht des FI99 das letzte K-Block-Zukunftstreffen statt. Die Diskussion um einen Umzug des Stimmungskerns auf die neue Hintertortribüne beschäftigt die Szene schon eine ganze Weile. Wir sind uns auch bewusst, dass wir als Gruppe die Auseinandersetzung und Diskussion zu spät forciert haben. Und das hat auch Gründe: Sowohl ein Umzug in den K-Block, als auch ein Verbleib in der Nordkurve bringt für uns als Gruppe, als auch für die gesamte Szene schwer kalkulierbare Vor- und Nachteile mit sich. Das bedeutet, dass ein Neuanfang – so schön einfach das auch klingen mag – ein schwieriges Unterfangen ist. Aber machbar, wenn es eine geschlossene und aufrichtige Ultra-Szene geben würde, welche die Vergangenheit und die Ursachen für die kränkelnde Ultra-Bewegung nicht ignoriert.

Der Stein des Anstoßes ist der Umgang mit der Gruppe SE. Den meisten Fans dürfte bekannt sein, dass SE in den vergangenen Jahren häufig für Gesprächsstoff sorgte – zumeist jedoch in negativer Hinsicht. Eine kurze Zusammenfassung: Die Palette der Ausfälle reicht vom schlichtem Rumgeprolle und Hooliganismus, über sexistische Männertagsmobs, homophobe Beleidigungen, Bedrohungen und Anfeindungen bis hin zu Kategorie C Musik auf Auswärtsfahrten etc.. Dieser neue Lifestyle hatte einen organisierten Charakter und bildete einen bewussten Gegenpart zu den Ultras und der restlichen Fanszene. Aufgrund dieser Entwicklungen, die von einem Großteil der Babelsberger Fanszene abgelehnt werden, wurde die Gruppe SE vor einem Jahr aus der Nordkurve gedrängt. Zu diesem Schritt sahen sich viele aktive Fans genötigt, da unzählige Gespräche und Gesprächsangebote nichts brachten und eine kritische Selbstreflexion bei SE quasi nicht existent war. Auch nach dem endgültigen Bruch kam es zu Vorfällen, doch insgesamt hat sich die Situation insofern entspannt, als das es fortan weniger direkte Konfrontationen und Berührungspunkte gab.

Während ein Teil der Fanszene, so auch das FI99, das Kapitel SE und aktive Fanszene für immer beendet hatten, ist von der Gruppe UB der Kontakt gehalten worden – was selbstverständlich ihr gutes Recht ist.

Bei der Diskussion um den Umzug in den K-Block wurde schnell deutlich, dass sich SE dort postieren möchte.
Ein im Wesentlichen von UB ausgearbeiteter Kurven-Konsens, der Verhaltensweisen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie etc. eine klare Absage erteilt, wolle SE zukünftig mittragen. Zudem habe sich SE von einigen Leuten getrennt, die ihrer Meinung nach für einen Großteil der Problemfelder bei SE verantwortlich wären.

Um eins klar zu stellen: Natürlich sind wir der Meinung, dass sich Menschen ändern können, denn dass haben wir hier in Babelsberg oft erlebt.

Dennoch sind wir uns als FI99 einig, dass wir die Zusage von SE diesmal nicht einfach glauben, denn dafür gab es in Vergangenheit viel zu viele Zusagen die gebrochen wurden und dafür sind die letzten Attacken und Quertreibereinen gegen das FI99, einzelne Mitglieder und andere Fans noch viel zu präsent.
In unseren Augen ist unter den derzeitigen Vorzeichen ein gemeinsamer Block, der sich durch gegenseitiges Vertrauen und Achtung, Solidarität und Wohlfühl-Atmosphäre auszeichnen sollte, eine Illusion.
Dem FI99 ist es sehr schwer gefallen, einen Gruppenkonsens zu finden. Wir haben für uns beschlossen, dass wir das schwierige Projekt Umzug in den K-Block trotz ungünstiger Ausgangslage angehen wollen – allerdings unter ganz klaren Vorraussetzungen.

Der Minimalkonsens in unserer Gruppe war, dass sich der aktive Stimmungsmob in den Mittelteil des neuen Blockes stellt. SE könnte sich in den benachbarten Sektor postieren und hätte die Gelegenheit, den verkündeten Wandel erstmal unter Beweis zu stellen.
Denn für uns ist es nicht akzeptabel, sich aus heiterem Himmel einen Block mit Leuten zu teilen, die der Babelsberger Ultra-Szene rückblickend mehr geschadet haben als Bullen oder gegnerische Fangruppen zusammen.
Beim leidenschaftlichen Torjubel können wir nicht plötzlich den Leuten in den Armen liegen, die uns vor kurzem noch den Tod und Untergang wünschten.

Während es von UB zumindest den Versuch gab einen vermittelnden Vorschlag zu unterbreiten, indem sich SE in den oberen Teil des Mittelblockes stellen könnte, gab es von SE nur eine kurze und knappe Aussage: „Wir gehen in den Mittelblock.“ Auch auf die Nachfrage hin, ob von SE noch ein paar Worte mehr zu dem Thema kommen würden, gab es keine Reaktion, außer das man sich nicht vorschreiben lassen wolle, wo man steht.

Für das FI99 gab es in der Frage keine noch weitergehende Kompromissbereitschaft, denn sonst wäre die Gruppe an diesem Tag auseinander gefallen. Ein Stimmungsblock mit dem SE hätte bedeutet, dass sich einige Leute aus unserer Gruppe zurückziehen würden. Doch in den vergangenen Jahren haben sich schon viel zu viele Leute zurückgezogen, weil sie keinen Bock mehr auf diese „Fankultur“ hatten und ihnen die Kraft fehlte, sich weiter damit auseinander setzen zu müssen. Wir haben als Gruppe entschieden, dass wir diesmal niemanden alleine lassen werden.

Mit unserer Entscheidung sind wir im Übrigen nicht alleine und wir wollen uns bei den Gruppen und Menschen bedanken, die uns den Rücken stärken und uns trotz allem positiv nach vorne schauen lassen.

Leid tut es uns um die vielen „unparteiischen“ Leute, die dieser Problematik hilflos gegenüber stehen, da sie von den hier beschriebenen Konflikten nicht betroffen waren/sind.

Für uns ist das Thema K-Block eine bittere Enttäuschung, doch irgendwie sinnbildlich für den Zustand der Fan- und Ultra-Szene.
Gleichwohl ziehen wir daraus Kraft für die Zukunft und werden die Gelegenheit nutzen, auch einen Neuanfang starten – allerdings in der Nordkurve.

Filmstadt Inferno 99 – Ultras Babelsberg / Oktober 2010